Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Euthanasie und begleitetem Freitod in der Schweiz?

Die Begriffsvielfalt um den Freitod herum kann manchmal verwirrend sein, doch ist es wichtig, dass man über gleiche Konzepte spricht und nicht Aepfel und Birnen vergleicht. Deshalb folgen hier kurzgefasst die verschiedenen Konzepte:

Aktive Sterbehilfe

Die aktive Sterbehilfe, d.h. die Tötung eines Menschen, ist unabhängig von den Motiven des Täters in der Schweiz strafbar. Sie wird, soweit kein ausdrücklicher Wunsches des Opfers nachweisbar ist, als Totschlag (§113 StGB, ein bis zehn Jahre Freiheitsentzug) oder als vorsätzliche Tötung (§111 StGB, fünf bis zehn Jahre Freiheitsentzug) eingestuft. Falls der Täter durch das ausdrückliche und ernstliche Verlangen des Opfers zur Tat bewegt wurde, nimmt man strafmildernd eine Tötung auf Verlangen (§113 StGB, bis zu drei Jahren Freiheitsentzug oder Geldstrafe) an.

Beihilfe zum Selbstmord

Die Beihilfe zur Selbsttötung (assistierter Suizid) ist in der Schweiz dann straffrei, wenn keine selbstsüchtigen Motive des Beihelfers vorliegen und das Opfer letztlich seinen Tod selber herbeiführt. So darf z.B. der Becher oder die Infusion mit dem tödlichen Medikament von Arzt oder Sterbehelfer zwar präpariert, aber nicht verabreicht werden. Falls selbstsüchtige Motive nachgewiesen werden, erfolgt eine Verurteilung gemäß §115 StGB (bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug oder Geldstrafe). Nach den Richtlinien der SAMW  zählt die Suizidbeihilfe bisher nicht als ärztliche Tätigkeit.

Indirekte Sterbehilfe

Die indirekte Sterbhilfe bedeutet die Inkaufnahme eines vorzeitigen Todes durch eine medizinische Behandlung, die primär der Schmerzlinderung dient. Als Beispiel kann die Verabreichung von starken Schmerzmitteln bei einer tödlichen Krebserkrankung dienen, welche als Nebenwirkung ein Versagen von Leber oder Nieren hervorruft. Diese Form der Sterbehilfe ist in der Schweiz nicht strafbar, wenn sie dem ausgesprochenen oder bei Bewusstlosigkeit vorab niedergeschriebenen Willen des Patienten entspricht, da ein schmerzfreies Sterben als das höhere Rechtsgut gegenüber einer Lebensverlängerung eingestuft wird.

Passive Sterbehilfe

Die passive Sterbehilfe bedeutet den Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen, wie z.B. eine künstliche Beatmung bei einer tödlichen Krebserkrankung. Auch diese Form der Sterbehilfe ist in der Schweiz nicht strafbar, wenn sie dem ausgesprochenen oder bei Bewusstlosigkeit dem vorab niedergeschriebenen Willen des Patienten entspricht. Welche Maßnahmen der Patient zulassen möchte, kann vorab in einer Patientenverfügung formuliert werden.

Wieso erhitzt diese Frage die Gemüter so?

Für jeden von uns ist der Tod sicher, man kennt jedoch in den wenigsten Fällen dessen Zeitpunkt. Deshalb geht manchen von uns diese Problematik vielleicht zu nahe, um über sie rein sachlich zu sprechen. Bisher spaltet diese Thematik vor allem in Ländern mit restriktiver Gesetzeslage die Gemüter; in Ländern, wo Freitodbegleitung erlaubt ist, sieht man ähnlich wie bei der Diskussion um die Zulassung der Abtreibung in den 60er und 70er Jahren, dass es zu keinem Dammbrucheffekt gekommen ist. Beide Seiten haben Befürchtungen und Aengste, auf die man eingehen sollte, um einen Dialog zu ermöglichen. Die Hauptargumente beider Seiten werden andernorts auf dieser Seite angeführt.

Wieso ist Selbstmord und Freitod nicht das gleiche?

Wir bezeichnen auf unseren Seiten den reiflich überlegten eigenen Tod mit „Freitod“ und grenzen ihn vom oft im Affekt begangenen „Selbstmord“ ab. Hierbei sind wir uns darüber im klaren, dass dies nur eine der möglichen Unterscheidungen ist. Die Kriterien, die beispielsweise für die SAMW als Voraussetzungen für einen assistierten Suizid definiert, erscheinen uns ausreichend, um den Unterschied zu verdeutlichen:

Die Erkrankung des Patienten rechtfertigt die Annahme, dass das Lebensende nahe ist.

Alternative Möglichkeiten der Hilfestellung wurden erörtert und soweit gewünscht auch eingesetzt.

Der Patient ist urteilsfähig, sein Wunsch ist wohlerwogen, ohne äusseren Druck entstanden und dauerhaft. Dies wurde von einer unabhängigen Drittperson überprüft, wobei diese nicht zwingend ein Arzt sein muss.

Was kann ich konkret tun, um mein Lebensende so selbstbestimmt wie möglich zu gestalten?

Auch wenn Sie in einem Land wohnen, in dem der begleitete Freitod gesetzlich nicht vorgesehen ist, können Sie einiges tun, um zu verhindern, dass Dinge geschehen, die Sie nicht wollen – zum Beispiel:

Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen und Freunden darüber, was Sie am Lebensende wollen und was nicht. Manchmal müssen Angehörige Entscheidungen treffen und wissen nicht, was die Person gewollt hätte, wenn sie sich äussern könnte – Sie können dies auch schriftlich niederlegen, wenn Ihre Umgebung nichts darüber hören will.

Informieren Sie sich darüber, ob künstliche Ernährung in Ihrem Wohnland erzwungen werden kann (z.B. in Krankenhäusern oder Pflegeheimen), und auch darüber, ob / wie Sie dies vermeiden können.

Schreiben Sie eine Patientenverfügung und erkundigen Sie sich vorher, ob diese rechtlich verbindlich ist (und dafür eventuell eine bestimmte Form haben muss).

Nehmen Sie Kontakt mit einer Freitodorganisation auf, wenn Sie mehr über diese Option wissen möchten.

Engagieren Sie sich in einem Verein, der sich für eine grössere Wahlfreiheit am Lebensende einsetzt – oder gründen Sie einen, falls noch keiner besteht.

Nehmen Sie an Podiumsdiskussionen, Konferenzen oder Tagungen teil, schreiben Sie Leserbriefe, halten Sie ein „Café mortel“ ab, seien Sie für Diskussionen zu diesem Thema ansprechbar… Ihrer Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt!