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Suizid (von neulateinisch suicidium, aus sui „seiner [selbst]“, und caedere „[er]schlagen, töten, morden“), auch Selbsttötung, umgangssprachlich Selbstmord oder Freitod, ist die vorsätzliche Beendigung des eigenen Lebens. Ein Suizid kann entweder aktiv geschehen, indem man sich Schaden zufügt (etwa durch tödliche Selbstverletzung oder die Einnahme von Giften), oder aber passiv, indem man nicht mehr für sich sorgt und beispielsweise lebensnotwendige Medikamente, Nahrungsmittel oder Flüssigkeiten nicht (mehr) zu sich nimmt. Suizid wurde und wird in Gesellschaften und Epochen sehr unterschiedlich bewertet, was sich auch in der Sprache niederschlug. Im Alltag wird meist der Begriff Selbstmord verwendet. Das Wort Suizid gilt – ebenso wie der Begriff Selbsttötung – als sprachlich neutral und wird vor allem in der wissenschaftlichen und der medizinischen Sprache verwendet. Dagegen kann Selbstmord unter Umständen als tabuisierend oder stigmatisierend aufgefasst werden, Freitod als heroisierend.

Die Bezeichnung Selbsttötung wird meist juristisch oder amtssprachlich verwendet und lässt den Unterschied zwischen Vorsatz und Fahrlässigkeit offen. Die Bezeichnung Selbstmord ist demgegenüber klarer, weil Mord das vorsätzliche Töten bezeichnet, andererseits jedoch unpassend, weil Mord sich auf die Tötung eines anderen Menschen bezieht. In der Schweiz wird der Begriff Freitod an enge Bedingungen gebunden, die auch als Abgrenzung von einem allgemeinen Suizid verstanden werden und nicht bei allen Suiziden erfüllt sind. Die sterbewillige Person

versteht, was sie tut (Urteilsfähigkeit);
handelt nicht aus dem Affekt (Wohlerwogenheit);
hegt einen dauerhaften Sterbewunsch (Konstanz);
wird von Dritten nicht beeinflusst (Autonomie) und
führt den Suizid eigenhändig aus (Handlungsfähigkeit).

Schweizer Organisationen zur Freitodbegleitung stellen meist die Bedingungen einer hoffnungslosen Prognose (zum Tode führende Krankheit) oder unerträglicher Beschwerden (nicht beherrschbare Schmerzen) oder einer unzumutbaren Behinderung.

Wenn der Suizid mit Unterstützung durch eine andere Person verübt wird (die sogenannte Sterbebegleitung), spricht man je nach Tatherrschaft entweder vom „assistierten Suizid“ oder von „Tötung auf Verlangen“. Dies wird in der Geriatrie und Altenpflege im Zusammenhang mit den Begriffen „künstliche Ernährung“ bzw. „Nahrungsverweigerung“ immer wieder thematisiert.

Der Suizidversuch ist in Deutschland als Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts straffrei, dies gilt grundsätzlich auch für die Teilnahme, also Anstiftung oder Beihilfe, nicht aber die Tötung auf Verlangen (§ 216 Abs. 1 StGB). Die Verleitung eines Schuldunfähigen oder die Anstiftung mittels einer Täuschung kann Totschlag bzw. Mord (des Suizidenten) in mittelbarer Täterschaft (§ 25 Abs. 1 Alt. 2 StGB) sein: Täter des Tötungsdeliktes ist dann der Einfluss nehmende Hintermann, da er das Geschehen durch sein Verhalten maßgeblich beherrscht.

Wer wie Angehörige oder Ärzte aufgrund einer Garantenpflicht verpflichtet ist, eine Selbsttötung zu verhindern, kann wegen Totschlags (oder ggf. Mordes) durch Unterlassen bestraft werden, wenn er die gebotene Rettungshandlung unterlässt. Der Gehilfe, aber auch jeder zufällige Zeuge des Geschehens kann ferner, wenn er keine Hilfe leistet, nachdem der Suizident die Tatherrschaft verloren hat (z. B. weil er bewusstlos ist), wegen unterlassener Hilfeleistung nach § 323c StGB bestraft werden. Dies ist in der Strafrechtswissenschaft allerdings umstritten und wird vor allem mit dem Argument abgelehnt, dass ein frei verantwortlicher Bilanzsuizid kein Unglücksfall, sondern Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts des Einzelnen sei. Dagegen wird vor allem eingewendet, dass hinzukommende Personen (Rettungsdienst, Notarzt, Angehörige) in dieser Situation meist nicht zuverlässig überprüfen können, ob es sich wirklich um einen frei verantwortlichen Suizid handelt.

Allerdings kann die allgemeine Hilfeleistungspflicht in Konkurrenz zu einer bestehenden Patientenverfügung und zum Selbstbestimmungsrecht treten. Sterbehilfe als Tötungsdelikt, im Gegensatz zur Sterbebegleitung als auftragsgemäßes, palliativmedizinisches Handeln des Arztes, muss auch ethischen Begründungen standhalten. Eine (ärztliche) Versorgung des Suizidenten kann sich als Körperverletzung darstellen, wenn sie nicht durch einen Notstand oder die Geschäftsführung ohne Auftrag gerechtfertigt ist (siehe auch: Arzthaftung). In der Praxis werden im Falle eines akuten Suizides in aller Regel sämtliche noch erfolgversprechenden lebensrettenden Maßnahmen durchgeführt, da das Vorhandensein oder die Wirksamkeit einer Patientenverfügung in der gebotenen Eile kaum geprüft werden können.

Auch in Österreich ist der Suizid straffrei; im Gegensatz zu Deutschland wurde der Mord von der Selbsttötung im Strafrecht (§ 75 des Strafgesetzbuches) ausdrücklich abgegrenzt. Strafbar sind jedoch die Tötung auf Verlangen (§ 77 StGB) und die Mitwirkung am Selbstmord (§ 78 StGB), die mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren geahndet werden. Tötung auf Verlangen liegt vor, wenn die Handlung, die unmittelbar den Tod eines anderen herbeiführt, auf dessen ausdrückliches und ernstliches Verlangen vom Täter selbst unternommen wird. Mitwirkung am Selbstmord hat zur Voraussetzung, dass der Täter einen anderen dazu verleitet, die Handlung, die unmittelbar dessen Tod herbeiführen soll, selbst zu unternehmen, oder dass er die Unternehmung einer solchen Handlung auf irgendeine Weise ermöglicht oder erleichtert. Die Mitwirkung am Selbstmord kann auch durch psychische bzw. moralische Unterstützung erfolgen.

Aktive Sterbehilfe ist in Österreich strafbar und fällt entweder unter den Tatbestand des Mordes (§ 75 StGB), der Tötung auf Verlangen (§ 77 StGB) oder der Mitwirkung am Selbstmord (§ 78 StGB). Nicht strafbar ist hingegen die passive Sterbehilfe, der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen beim Sterben, wenn ein Patient dies aktuell wünscht oder diesen Wunsch im Vorhinein mit einer gültigen Patientenverfügung zum Ausdruck gebracht hat. Erlaubt ist auch die aktive indirekte Sterbehilfe, worunter man medizinische Maßnahmen versteht, die das Leiden eines Menschen unter Einsatz aller helfenden Mittel lindern, auch wenn dadurch möglicherweise der Sterbeprozess verkürzt wird.

Ähnlich wie in Deutschland fällt selbst vorsätzliches Gewährenlassen einer Selbsttötung nur demjenigen als Mitwirkung zur Selbsttötung zur Last, der von Rechts wegen zum hindernden Eingreifen besonders verpflichtet ist (z. B. Angehörige, Ärzte usw.). Wer es jedoch unterlässt, einem Verletzten die zu seiner Rettung aus der Gefahr des Todes oder einer beträchtlichen Körperverletzung oder Gesundheitsschädigung offensichtlich erforderliche Hilfe zu leisten, erfüllt den Tatbestand der Unterlassung der Hilfeleistung (§ 95 StGB).

Das schweizerische Bundesgericht hat in einem Urteil vom 3. November 2006 (2A.48/2006/2A.66/2006) den Suizid neu als ein Menschenrecht formuliert: „Zum Selbstbestimmungsrecht im Sinne von Artikel 8 EMRK (sc. Europäische Menschenrechtskonvention) gehört auch das Recht, über Art und Zeitpunkt der Beendigung des eigenen Lebens zu entscheiden; dies zumindest, soweit der Betroffene in der Lage ist, seinen entsprechenden Willen frei zu bilden und danach zu handeln“.

Das schweizerische Strafrecht bestraft lediglich Personen, die aus selbstsüchtigen Beweggründen jemanden zum Suizid verleiten oder ihm Hilfe dabei leisten, sowohl bei vollendeter Tat als auch beim Versuch, mit maximal 5 Jahren Gefängnis. Diese Formulierung ermöglicht in der Praxis viel Raum für Sterbehilfe. Damit gehört die Schweiz zu den liberalsten Ländern in dieser Hinsicht. In der Schweiz ansässige Organisationen wie Exit und Dignitas bieten ihren Mitgliedern für geringen finanziellen Aufwand Sterbehilfe an. Dies macht die Schweiz weltweit zu einem Anlaufpunkt für Menschen, denen es in ihrem Wohnland legal nicht möglich ist, ihr Leben zu beenden – der Ausdruck „Sterbetouristen“ verharmlost die Dramatik jedes Einzelfalls. Im Jahr 2010 beendeten 257 Personen mit Hilfe von Exit ihr Leben, diese Zahl stieg – ebenso wie die Mitgliederzahl – in den Folgejahren kontinuierlich an.